Ein Gemeinschaftsgarten im Schrebergarten

Im Dezember 2019 bin ich in Bremerhaven herumgeirrt auf der Suche nach einem neuen Gartenprojekt. Der Wechsel von einem kollektiv-bewirtschafteten Hektar demeter-Gärtnerei zur Wohnung im 4ten Stock mit Mini-Balkon traf mich härter als erwartet. So fühlt sich das also an, wenn man keinen Zugang zu Grün für Lebensmittelanbau in der Stadt hat. Mist! Ein paar Wochen später sollten das vielen so gehen, die vom Lockdown aufgrund von Corona betroffen waren und in ihrer kleinen Wohnung „festsaßen“.

Da musste sich in BHV schnelll was ändern! Ich wollte einen Gemeinschaftsgarten in einem Schrebergarten gründen! Die Klischees, die mit Kleingärten verbunden waren, wollte ich selber erleben. Stimmt das alles wirklich? Oder hat sich das gewandelt? Ist es vielleicht auch je nach Lage und Menschen unterschiedlich? Der geeignete Ort war schnell gefunden. Zentrumsnah! Vor Corona standen hier noch viele Gärten frei, weil sie oft über Jahre hinweg brach lagen und stark vermüllt waren. Da traute sich niemand drüber- zuviel Arbeit. Unsere Parzelle war auch so eine „Müllhalde“. Nach ein paar Wochen Arbeit kamen die Potentiale zum Vorschein. Tolle Bäume, fruchtbare Erde, super Startbedingungen- tzrotz Dürre. Schritt für Schritt wuchs die Gruppe an und wir lernten die Nachbarn kennen. Eigentlich ist es ein Interkultureller Schrebergarten, da viele verschiedene Nationen in unserer direkten Nachbarschaft vertreten sind. Es ist eine eigene Welt!

Aufblühen von Mensch und Garten…

Der Kirschbaum in voller Blüte mit ordentlich Gesumme…

Der Frühling entwickelte sich schnell zum Frühsommer mit Temperaturen über 20 Grad und eigentlich einen komplett trockenen April. Dürreartige Zustände… und das in Bremerhaven – direkt an der Nordsee – wo man gefühlt einen Meter unter dem Meeresspiegel ist. Die Eindämmung des Covid-19 Viruses macht das gemeinsame Gärtnern natürlich nicht leicht. Wir können keine „Werbung“ für den Garten machen und Menschen einladen. Leider sind die Wege recht schmal und erlauben nur mit max. 5 Personen gleichzeitig im angebrachten Abstand zu arbeiten. Nichts destro trotz versuchen wir das Beste daraus zu machen und Mulchen (dank des Rasenmähens des Nachbarns) unsere Beete regelmäßig frisch. Die ersten Pflanzen schälen sich schon aus der Erde heraus. Das reparierte Gewächshaus ist eine tolle Kinderstube für die Babypflanzen, die nun schon immer mal wieder ins Freie gepflanzt werden. Wie gestern der Mais. Die Obst-Bäume haben scheinbar den Schnitt sehr gut vertragen. Kaum Wassertriebe und schöne Blüten und erste Blätter. Wir sind gespannt, ob die vielen Bienen und Hummeln für Früchte gesorgt haben…bbbbsssss.. Pläne zum gemeinsamen Lernen haben wir uns auch gemacht. Einkochen und Haltbarmachen interessiert alle. Die ersten „Unkräuter“ haben wir uns mal genauer angeschaut, um nicht ausversehen die gewollten Sachen zu jäten. Vor allem kommt bei uns der „Ackerschachtelhalm“, die „Ackerwinde“ und der „Sauerampfer“. Außerdem ist noch etwas im Boden, was auf den ersten Blick aussieht, wie eine „Melde“, aber es hat so rosa Ränder und ist nicht so silbrig… vielleicht ist es ja genauso lecker?

Gemeinsam statt einsam!

Hier im Garten kann man in Ruhe den Frühling beobachten. Städtische Parks werden auch viel mehr genutzt seit der Pandemie. Man sieht picknickende Familien, die Ball spielen auf zuvor genutzten Grasflächen. Grün tut gut und hilft das Gemüt zu sänftigen. Das Dach der Hütte ist jetzt auch repariert, dank einer Materialspende von Mitgliedern. Die ersten Pflanzen sprießen im Gewächshaus und auf dem Hügelbeet. Auch die Nützlings-Blumenmischungen und Gründüngungen zur biologischen Sanierung der Fläche fangen an zu keimen. Wir hatten bereits T-Shirt Wetter. Das ging schnell. Wir hoffen auf Mulchmaterial von den Nachbarn, um die Keimlinge vor der Trockenheit zu schützen und Wasser zu sparen. Es soll hier viele Frösche gegeben haben, als der Garten so wild war. Mal gucken, ob die wiederkommen. Seitlich haben wir den natürlichen Ablauf des Gartens mit Iris und dem vorhandenen Schilf gelassen. Mit etwas mehr Regen wäre dies sicher ein tolles Biotop!