Sommer im grünen Mitmachraum

Es blüht und sprießt im Garten. Der Regen im Juni hat alles in die Höhe getrieben. Die Ernte ist neben gemeinsamen Stunden des Jätens vor allem Salat, Mangold, Erbsen, Karotten…

Es sprießt, es sprießt!

Der grüne Mitmachraum „Froschgarten“ Mitte Mai 2020

Ab und zu, wenn etwas Neues eingepflanzt wird, findet sich noch ein kleines Stück Plastik oder eine anderes Fundstück aus vergangenen Tagen. Mittlerweise haben wir diesen Garten wohl von 25qm Müll befreit. Jetzt ein paar Monate wachsen hier schon Kartoffeln, Spinat, Mangold, Karotten… und sehr viel Giersch, Ackerschachtelhalm, Ackerwinde und Sauerampfer. Selbst diese „Unkräuter“ sind teilweise essbar. Viel davon haben wir also nach dem Ausgraben gleich zu Smoothies oder Pesto verarbeitet 😉 Nach einem sehr trockenen April hat der Mai auch ein paar Regentage gebracht. Nach dem Eisheiligen sind die letzten Pflanzen aus dem Gewächshaus auf den Acker gewandert. Sogar eine Gartendusche gibt es jetzt. Viele der Obstbäume tragen schon sehr gut. Wir sind auf die Ernte gespannt und freuen uns über die vielen Blüten im Garten.

Ein Gemeinschaftsgarten im Schrebergarten

Im Dezember 2019 bin ich in Bremerhaven herumgeirrt auf der Suche nach einem neuen Gartenprojekt. Der Wechsel von einem kollektiv-bewirtschafteten Hektar demeter-Gärtnerei zur Wohnung im 4ten Stock mit Mini-Balkon traf mich härter als erwartet. So fühlt sich das also an, wenn man keinen Zugang zu Grün für Lebensmittelanbau in der Stadt hat. Mist! Ein paar Wochen später sollten das vielen so gehen, die vom Lockdown aufgrund von Corona betroffen waren und in ihrer kleinen Wohnung „festsaßen“.

Da musste sich in BHV schnelll was ändern! Ich wollte einen Gemeinschaftsgarten in einem Schrebergarten gründen! Die Klischees, die mit Kleingärten verbunden waren, wollte ich selber erleben. Stimmt das alles wirklich? Oder hat sich das gewandelt? Ist es vielleicht auch je nach Lage und Menschen unterschiedlich? Der geeignete Ort war schnell gefunden. Zentrumsnah! Vor Corona standen hier noch viele Gärten frei, weil sie oft über Jahre hinweg brach lagen und stark vermüllt waren. Da traute sich niemand drüber- zuviel Arbeit. Unsere Parzelle war auch so eine „Müllhalde“. Nach ein paar Wochen Arbeit kamen die Potentiale zum Vorschein. Tolle Bäume, fruchtbare Erde, super Startbedingungen- tzrotz Dürre. Schritt für Schritt wuchs die Gruppe an und wir lernten die Nachbarn kennen. Eigentlich ist es ein Interkultureller Schrebergarten, da viele verschiedene Nationen in unserer direkten Nachbarschaft vertreten sind. Es ist eine eigene Welt!

Aufblühen von Mensch und Garten…

Der Kirschbaum in voller Blüte mit ordentlich Gesumme…

Der Frühling entwickelte sich schnell zum Frühsommer mit Temperaturen über 20 Grad und eigentlich einen komplett trockenen April. Dürreartige Zustände… und das in Bremerhaven – direkt an der Nordsee – wo man gefühlt einen Meter unter dem Meeresspiegel ist. Die Eindämmung des Covid-19 Viruses macht das gemeinsame Gärtnern natürlich nicht leicht. Wir können keine „Werbung“ für den Garten machen und Menschen einladen. Leider sind die Wege recht schmal und erlauben nur mit max. 5 Personen gleichzeitig im angebrachten Abstand zu arbeiten. Nichts destro trotz versuchen wir das Beste daraus zu machen und Mulchen (dank des Rasenmähens des Nachbarns) unsere Beete regelmäßig frisch. Die ersten Pflanzen schälen sich schon aus der Erde heraus. Das reparierte Gewächshaus ist eine tolle Kinderstube für die Babypflanzen, die nun schon immer mal wieder ins Freie gepflanzt werden. Wie gestern der Mais. Die Obst-Bäume haben scheinbar den Schnitt sehr gut vertragen. Kaum Wassertriebe und schöne Blüten und erste Blätter. Wir sind gespannt, ob die vielen Bienen und Hummeln für Früchte gesorgt haben…bbbbsssss.. Pläne zum gemeinsamen Lernen haben wir uns auch gemacht. Einkochen und Haltbarmachen interessiert alle. Die ersten „Unkräuter“ haben wir uns mal genauer angeschaut, um nicht ausversehen die gewollten Sachen zu jäten. Vor allem kommt bei uns der „Ackerschachtelhalm“, die „Ackerwinde“ und der „Sauerampfer“. Außerdem ist noch etwas im Boden, was auf den ersten Blick aussieht, wie eine „Melde“, aber es hat so rosa Ränder und ist nicht so silbrig… vielleicht ist es ja genauso lecker?

Gemeinsam statt einsam!

Hier im Garten kann man in Ruhe den Frühling beobachten. Städtische Parks werden auch viel mehr genutzt seit der Pandemie. Man sieht picknickende Familien, die Ball spielen auf zuvor genutzten Grasflächen. Grün tut gut und hilft das Gemüt zu sänftigen. Das Dach der Hütte ist jetzt auch repariert, dank einer Materialspende von Mitgliedern. Die ersten Pflanzen sprießen im Gewächshaus und auf dem Hügelbeet. Auch die Nützlings-Blumenmischungen und Gründüngungen zur biologischen Sanierung der Fläche fangen an zu keimen. Wir hatten bereits T-Shirt Wetter. Das ging schnell. Wir hoffen auf Mulchmaterial von den Nachbarn, um die Keimlinge vor der Trockenheit zu schützen und Wasser zu sparen. Es soll hier viele Frösche gegeben haben, als der Garten so wild war. Mal gucken, ob die wiederkommen. Seitlich haben wir den natürlichen Ablauf des Gartens mit Iris und dem vorhandenen Schilf gelassen. Mit etwas mehr Regen wäre dies sicher ein tolles Biotop!

Der Frühling kommt trotz Kontaktsperre

der Säh- und Pflanzplan vom Gemeinschaftsgarten im Schrebergartenverein

Zugang zu einem Garten zu haben ist ein Privileg. Nicht nur während Corona! Manche haben in Bremerhaven nicht mal eine angenehme Wohnung, wo sie die Wartezeit verbringen können. Aufgrund der Situation können wir aber auch gerade keine neuen Mitglieder*innen anwerben. Mit Mindestabstand lernen wir unsere Nachbar kennen und beginnen mach monatelangem Aufräumen nun mit der eigentlichen Gartenarbeit. Im reparierten Gewächshaus treiben die ersten Pflanzen, das gefundene Werkzeug wurde reaktiviert und hilft beim Beete anlegen. Materialien werden vor Ort genutzt, um notwendige Strukturen zu sichern.

Corona-Power

Die meisten von der Mitgärtner*innen gehören nicht zur Risikogruppe und sind daher ziemlich froh im Garten was sinnvolles machen zu können, statt zu Hause vor Netflix und Co. zu verspannen. Inspiriert von der Permakultur ist es am Anfang sehr wichtig erstmal zu gucken was unter dem beseitigten Müll den nun alles versteckt war. Das behutsam freizulegen und mit eigenen Ideen in Schwung zu bringen – das wollten wir! Wie man auch den Bilder sieht hat sich viel getan. Einige neue Wege sind entstanden, es gibt ein neues Tor, das Gewächshaus ist nun verwendbar, die Hütte grob gesichert. Das Hügelbeet ist fertig und wartet darauf bepflanzt zu werden, Bäume/ Wein und Sträucher wurden zurückgeschnitten, Vögelfutter und Nisthilfen aufgehängt, Nützlingssaatgut ausgebracht… Der Frühling kann kommen!! Bleibt gesund und seid lieb zu Euren Nächsten!!

Saatgut tauschen!

Für eine grünere, essbarere Stadt Bremerhaven wollen wir alle noch in den Schubladen versteckten und vergessenen Pflanzensamen wieder herausholen und gemeinsam Ideen spinnen, wo die bald wachsen sollen.

Potentiale versteckt unter Müll

Nach mitterweile 5 Pkw-Anhänger voll mit sortiertem Abfall weniger im Garten, lässt sich langsam erahnen, was hier noch alles möglich sein wird. Bisher sind wir nur zu viert im Garten um uns erstmal einzuschaukeln und ihn auf Schiene zu bringen. Langfristig wäre es schön hier mit mehreren zu Gärtnern. 600qm sind ja Platz genug. Bald sollte sich zeigen, wie gut der Obstbaumschnitt und das Düngen mit Pferdemist vom Nachbar gewirkt haben. Wir freuen uns schon auf die Blüten <3